Wehe, wenn der Anlageberater Hunger hat

Der Anlageberater weiss genau, wie die Bedürfnisse des Anlagekunden erkannt und umgesetzt werden sollen. Wie eine neue Studie gezeigt hat, bestimmen in der Realität jedoch vor allem irrelevante Faktoren wie die persönliche Stimmungslage des Beraters die Anlageempfehlung.

Oftmals macht das Bauchgefühl Investoren einen Strich durch die Rechnung. Es stellt sich heraus, dass Anlageempfehlungen beim gleichen Berater und mit den gleichen Grundlagen zu unterschiedlichen Zeiten stark variieren können. Das passiert aber nicht nur Privatanlegern, sondern auch professionellen Anlageberatern. Die Studie kommt von Oxford Risk, einem Unternehmen, das sich von der gleichnamigen Universität abgespalten hat und sich mit Verhaltensökonomie an den Finanzmärkten beschäftigt.

Die Studie soll zeigen, wie es bei Kunden mit gleichen Voraussetzungen zu unterschiedlichen Anlageempfehlungen kommt. Dazu legten die Autoren verschiedenen Anlageberatern relevante und irrelevante Kundeninformationen, darunter aber auch die Risikotoleranz des Betroffenen, vor. Aufgrund dieser Informationen soll die Risikofähigkeit des Kunden abgeschätzt und eine Vermögensaufteilung empfohlen werden.

 

Vier Faktoren sind dabei wichtig

Die Faktoren, die zum Anlageentscheid führen, können in vier Gruppen eingeteilt werden. Der erste Faktor: erklärbare und relevante wie etwa die Risikotoleranz. “Gemäss unseren Untersuchungen tragen diese Daten nur etwa 30% zum Investment-Entscheid bei”, sagt Greg Davis von Oxford Risk. Weiterhin gibt es erklärbare, aber irrelevante Faktoren wie Geschlecht und Hautfarbe des Kunden oder Alter und Zivilstand des Beraters.

Bei allen Beratern auftauchende Eigenheiten, die aber nicht erklärbar sind, werden als dritter Faktor angeführt. Und viertens gebe es Faktoren, die individuell unterschiedlich sind, aber auch nicht erklärbar. So hätten die Empfehlungen, beim gleichen Berater und mit den gleichen Grundlagen, zu unterschiedlichen Zeiten stark variiert. Die Studienautoren führen hier Faktoren wie unterschiedliche persönliche Stimmungslagen, die Zeit, die seit der letzten Mahlzeit verstrichen ist, oder das Wetter an.

Die drei letzten Gruppen von Faktoren, die eigentlich keinen Einfluss haben sollten, werden in der Studie als “Lärm” bezeichnet. Diese Misstöne führen dazu, dass die Empfehlungen verschiedener Anlageberater zu Kunden mit identischen Voraussetzungen erstaunliche Variationen ergeben.

“Die Einschätzung der Berater war näher am totalen Zufall als an der totalen Konsistenz”, heisst es in der Studie. Weitere Unterschiede gab es auch in der Umsetzung der Kundeneinschätzung. In diesem Fall wiesen die Portfolios von Kunden, denen die gleiche Risikofähigkeit zugerechnet wurde, höchst unterschiedliche Risikoniveaus aus.

 

Der menschliche Aspekt ist grundlegend

Als Lösung, um den “Lärm” auszuschalten, sehen die Studienautoren den Einsatz von technischen Hilfsmitteln, in diesem Fall einer Software – wobei man anmerken muss, dass Oxford Risk just eine solche Anwendung im Angebot hat. Gemäss Greg Davies hat diese Studie, die in Südafrika durchgeführt wurde, auch das Interesse anderer Länder bekommen.

Resultate von Studien, die in Grossbritannien und den USA entwickelt wurden,  haben gezeigt, dass sich Anlageberater auch in diesen Ländern ziemlich ähnlich wie in der Studie, sprich irrational, verhalten würden.

Die technischen Hilfsmittel sollten gemäss Oxford Risk nicht so ausgelegt sein, dass sie eine Anlageempfehlung geben würden. Es gehe darum, technisch zu überprüfen, ob die Vorgaben eingehalten würden. Das ist vergleichbar mit dem VAR (Video Assistent Referee) beim Fussball, mit dem die Regelkonformität geprüft wird, der aber sonst keinen Einfluss auf den Spielverlauf nimmt.

 

Lösungen von Nemesis

Die von der Nemesis angebotene Lösung ist, den Entscheidungsprozess einem definierten Anlageteam zu überlassen, der die Anlagebeschlüsse rationell(er) gestalten und anwenden kann, so frei wie möglich von jeglichen psychischen oder emotionale Belastungen.

Beim Investment-Prozess ist entscheidend, ob die eingegangenen Risiken im Rahmen der Risikotoleranz der Kunden liegen und im Portfolio richtig umgesetzt werden. Es ist wie bei einem Arztbesuch: der Mediziner setzt Diagnosegeräte wie Blutdruckmessung oder Röntgenbilder ein, die Auskunft über den Gesundheitszustand geben, wobei die den individuellen Bedürfnissen des Patienten angepasst wird.

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